„a cappella“ 21: Digital und doch ganz nah

Mit einem traditionellen Abschlusskonzert mehrerer Gruppen hat gestern das 21. Internationale Festival für Vokalmusik „a cappella“ Leipzig seinen Schlussakkord gefunden. Wie fast allerorten musste das Leipziger Festival darauf verzichten, in diesen Tagen sein Publikum vor Ort zu begrüßen – aber „a cappella“ fiel keineswegs aus, sondern fand als Online-Festival mit stolzen acht Streaming-Konzerten und zusätzlichen Online-Elementen statt, und schaffte es ganz offensichtlich, auch auf diesem Weg Vokalmusikfans in Nah und Fern zu begeistern.

Das gastgebende Ensemble amarcord konnte die deutschen Gruppen LaLeLu, VOXID und German Gents für ihre (grundsätzlich bereits für 2020) geplanten Konzerte in die Musikstadt Leipzig holen, wo sie samt allen Beteiligten in den Bereichen Organisation und Technik innerhalb eines praktikablen Hygiene-Konzepts mit u.a. steten Corona- Testungen agierten und sich so in eine sängerische „Sicherheitsblase“ begaben. So war ein befreites Aufsingen mehr denn je möglich –die Sehnsucht danach, Konzerte zu geben, war schließlich bei allen Künstlern per se enorm. Die beiden Ensembles Cantoría aus Spanien und Ringmasters aus Schweden konnten zwar den Weg nach Leipzig nicht antreten, schickten aber ihre Konzerte durch Aufnahmeteams vor Ort per Stream zu den „a cappella“-Fans. In Summe sind für die kostenpflichtigen Streams von „a cappella“ Nr. 21 gut 2.500 Tickets (für Einzelpersonen, Familien oder als „Unterstützer“- Variante) verkauft worden – mit ca. 6.000 Zuschauern kann man dabei also rechnen. Zwei der acht durchgeführten Konzerte waren zudem kostenlos zu erleben: Das Eröffnungskonzert des Festivals wurde online bei ARTE Concert ausgestrahlt und hat bis heute über 10.000 weltweite Zugriffe und noch mehr tatsächliche Zuschauer gehabt. Das Konzert der Gastgeber amarcord mit Werken von Josquin des Préz ist dabei auch weiterhin – in Deutschland bis zum 29. Juli – im Internetangebot von ARTE Concert abrufbar.



Erfolg im Netz

Der YouTube-Kanal des Festivals war für die digitalen Darreichungen des Online-Jahrgangs eine wichtige Anlaufstation, zeigen die bisherigen 4.300 Zugriffe allen auf die Wortbeiträge: Neben Einführungsgesprächen mit allen aufgetretenen Ensembles und einem Live-Videochat zur Stimme und zu Gesang in Corona-Zeiten, bei welchem das Publikum eigene Fragen an Experten aus den Bereichen Phoniatrie, Virologie und Berufsmusiker stellen konnte, wurde hier auch das traditionelle Familienkonzert von „a cappella“ am Sonntagnachmittag übertragen und bis heute schon rund 1.800 mal aufgerufen. Alle diese Angebote waren und sind weiterhin kostenfrei auf dem „a cappella“-YouTube-Kanal zu sehen – allein das Familienkonzert wurde bis heute über 1.700-mal, die anderen Beiträge in Summe ca. 4.300-mal angeschaut. Gleichermaßen erfreulich ist auch die Zahl der Zugriffe auf das 148 Seiten starke Programmbuch des Festivals mit Infos, Stücktexten, Aus- und Rückblicken, welches komplett digital gelesen werden konnte. Hier gab es bislang gut 3.000 Klicks.

Per Mail und über die Social-Media-Kanäle des Festivals ging zum Konzertreigen 2021 viel Lob des Publikums ein, die digitalen Angebote sind trotz allem schmerzlichen Vermissen der Live-Erfahrung vor Ort Elemente gewesen, die auch für zukünftige Festivalausgaben als Ergänzung und Erweiterung denkbar sind. Nichtsdestotrotz ließen die „a cappella“- Gastgeber des Ensembles amarcord das Publikum im Abschlusskonzert wissen: „Wir haben noch viel vor mit dem Festival. Nächstes Jahr gibt es keine Ausrede, nicht zum ‚a cappella‘-Festival zu kommen. Wir brauchen sie, wir wollen sie begrüßen! Und wir haben es bald geschafft.“ Zuversicht und fester Wille, die Vokalmusikwelt wieder ganz nah in Leipzig zusammenzubringen spricht aus den Worten und ist mit Sicherheit bestärkt worden durch die guten Erfahrungen dieses sicher einmalig digitalen Festival-Jahrgangs. Getragen wird dies nicht nur vom Zuspruch des Publikums sondern gerade in diesem schwierigen Jahr von der Treue und Wertschätzung der Förderer und Partner des Projektes wie der Stadt Leipzig, der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und der Initiative Musik/Neustart Kultur sowie dem BMW Group Werk Leipzig und weiterer mehr.



Großartige Konzerträume

Natürlich: Großartige Konzerträume wie die Thomaskirche, das Schauspiel Leipzig oder der Große Saal des Gewandhauses sind so leer, wie sie in diesem Fall waren, ein Stich in die Herzen aller Konzertliebhaber. Das Festivalteam löste diesen Aspekt aber erfolgreich: Die Spielstätten wurden – durch die lokalen und langjährigen technischen Partner des Festivals (Streamio, Music & More und Accentus Music) sowie die Tontechniker der Ensembles – hervorragend ausgeleuchtet, bebildert und zum Klingen über die digitalen Kanäle gebracht; mehrfach dienten dabei auch die (von den anwesenden Technikern und Team abgesehen) leeren Spielstätten als Kulisse und brachten zusätzliche Atmosphäre hinein (was sonst so gar nicht möglich ist). Und vor allem schwappte  natürlich der musikalische Funke zu den Zuschauern daheim über: Die „a cappella“-Väter amarcord glänzten bei ihrer Darbietung zu Ehren des Renaissance-Großmeisters Josquin (gestorben vor 500 Jahren), einem Konzert mit geistlichen Werken auf der Spitze der polyphonen franko-flämischen Renaissance- Kunst.

Die junge spanische Gruppe Cantoría wiederum vermittelte ein auserlesenes Bild der spanischen Vokalmusik jener Zeit – vielseitig, lebendig dargeboten, ohrenschmeichelnd im Klang und darüber hinaus mit filmreifen Bildern ihres Konzertortes verwoben: dem atemberaubenden Jugendstil-Bau des ehemaligen Hospitalkomplexes Sant Pau Recinte Modernista im Herzen Barcelonas.

VOXID aus Leipzig überzeugten im Kupfersaal mit starken selbstgeschrieben Songs und befreit-stimmstarkem Gesang in den Sphären des modernen A-cappella-Pops und die Ringmasters machten ihrem Status als Barbershop-Weltmeister (auch über den grundsätzlichen Barbershop-Stil hinaus) bei einem Stream aus der Sofia kyrka in Stockholm alle Ehre. Die German Gents – amtierende Preisträger des Internationalen „a cappella“ Wettbewerbs – konnten dem „a cappella“-Publikum endlich ihr Preisträgerkonzert mit einem Programm über die Liebe von Romantik bis zu den Zeiten der Comedian Harmonists und des Doo-Wop präsentieren und die Hamburger A-cappella- Comedy-Pioniere LaLeLu sangen sich energiereich und schrankenlos mit Pepp und Parodien durch Lebenslagen und - abwege von Corona bis zur Frage, was Papageno am Ballermann machen könnte.

Es wird deutlich: Die enorme Spannweite der Ensemblegesangskunst war auch im diesjährigen „a cappella“- Jahrgang vertreten, und die ihr eigene Begeisterung und künstlerisch-menschliche Sehnsucht übertrug sich auch auf das Publikum. Eine von LaLeLu‘s finalen Melodien und Weisheiten darf dabei stellvertretend für das Festival und all seine Beteiligten und Begleiter übernommen werden: nämlich Elton Johns „I’m still standing“. Amarcord-Bass Holger  Krause fasste es gegen Ende des Abschlusskonzertes dementsprechend noch einmal in die Worte: „Die Kultur steht noch“. Das hat auch das Festival gezeigt, welches solidarisch mit Publikum und Kulturschaffenden in diesen Tagen stehen möchte. Und außerdem eines – das Wichtigste – verkündet: „Wir sehen uns 2022!“

22. Internationales Festival für Vokalmusik a cappella Leipzig: 22. – 30. April 2022

Alle aktuellen und kurzfristigen Informationen zum Festival „a cappella“ finden Sie auf www.a-cappella-festival.de sowie auf der Facebook-Präsenz des Festivals unter www.facebook.com/acappellafestivalleipzig  und dem „a cappella“-Account bei Instagram.

Die kostenfreien Streamings können auf dem youtube-Kanal des Festivals gesehen werden: www.youtube.com/c/acappellaleipzig