Let it happen, (Foto: © Courtesy of the artist and KÖNIG GALERIE, Berlin, London, Seoul und Wien)

Friedrich Kunath I'll Try To Be More Romantic

Friedrich Kunath wird 1974 in Chemnitz geboren, wächst in Berlin auf und lebt und arbeitet seit 2008 in Los Angeles. In seinem künstlerischen Werk, das neben Malerei auch Skul¬pturen, Installationen, Filme und Musik umfasst, sind Sehnsucht, Einsamkeit, Ironie, Euphorie und Furcht wiederkehrende Themen. Er durchspielt mühelos alle Genres der Gegenwartskunst und findet zu bildnerischen Formen, die an jenes „Fest von Witz, Laune und Philosophie“ erinnern, welches Ludwig Tieck bei den Jenaer Romantikern gefunden hat. Aber Romantik, vor allem die Jenaer Frühromantik, war nicht nur ein „Fest“, sondern zuallererst eine intellektuelle Reaktion auf die geistigen und sozialen Reformbewe-gungen der Aufklärung, welche alle Bereiche des Lebens und die Kulturlandschaft dauerhaft verändert haben. Zwischen den schöpferischen Fähigkeiten des „Ich“, den Verbindungen von Natur, Geist und Kunst in einer „Weltseele“ oder „Universalpoesie“ werden Ambivalenzen diagnostiziert, Illusionen und Verluste sortiert, welche die deutsche Kultur seit nunmehr zweihundert Jahren begleiten und immer wieder zu Rückzugsorten existenziellen Befindens werden. Die deutsche Romantik ist Ausdruck, Antrieb und Opposition der aufziehenden Moderne gleichermaßen und hat 150 Jahre vor Horkheimer und Adorno die „Dialektik der Aufklärung“ thematisiert.

Für Friedrich Kunath ist die Romantik eine Erinnerung, ein Grundgerüst der Weltverortung, bedeutsam und bedeutungslos zugleich und Friedrich Schlegels ästhetisches Grundprinzip der romantischen Ironie erlaubt ihm den rotbeherzten Umgang mit Sonnenuntergängen, Palminseln und Landschaften, in denen man sich liebend gern in Träumen verläuft. Wie ein Magier zeigt uns Kunath Bilder aus der Traumfabrik: Projektionen aufreizender Sehnsüchte, die wie Klischees daherkommen und dennoch weit mehr von den Grundlagen unserer Disposition berichten, als uns lieb ist. In heiterer Lakonie verhandelt Friedrich Kunath die Schöpfung am Rande eines Abgrundes, der sich parallel zur Schönheit der Sujets ausdehnt und sich in einer Art gegenläufiger Mechanik aus allem speist, was uns lieb ist. So ist es eben auch ein Akt romantischer Ironie, eine Art künstlerischer Strategie, wenn ein Bild auch inhaltlich zerbröselt. Doch bereits vor 200 Jahren wusste man um den Ernst und die Notwendigkeit des Humors und erst der bittere Satz von Imre Kertész: „Der Humor hat seinen Ernst verloren.“ (1995) verdeutlicht den Zustand einer Gesellschaft, in der jene lustvoll-anarchische Form der Selbstreflektion in selbstgerechten Korridoren zur Häme verkommen ist. Kunaths Werke sind von einer einladenden Offenheit, die sich nicht allein aus ihrer Erscheinung selbst ergibt, sondern auch aus der Vielfalt der Anleihen, die der Künstler weit über den Bereich der bildenden Kunst hinaus aus Musik, Pop- und Alltagskultur entnimmt. Kunath hat keine Angst vor Erzählungen, im Gegenteil, die Werke suchen Kontakt und bereits die Titel sind redend, wecken Neugier, stiften Verwirrung und können als bildbezogene Dichtungen verstanden werden. Was ist etwa von den titelgebenden Ansagen „All My Favorite Painters Couldn't Paint“ und „I'm Running Out of Hearts To Break“ zu halten? Wir sehen eine Säule aus Farben, die vom Himmel auf die Erde stürzt und über allem steht: „I'll Try To Be More Romantic“!

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