titus, (Foto: © claudia-heynen)

Titus

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Wolfgang Amadeus Mozart gilt als Revolutionär des Musiktheaters, dem es in Werken wie »Figaros Hochzeit« und »Don Giovanni« gelang, die volkstümliche Form der Opera buffa musikdramaturgisch konsequent zu verdichten. Doch Mozart setzte sich zeitlebens auch mit der überkommenen Form der Opera seria mit ihren antiken Helden und Herrschern auseinander – zumal, wenn ein lukrativer Kompositionsauftrag winkte. So 1791, als ihn mitten in der Arbeit an der »Zauberflöte« der Auftrag erreichte, eine Krönungsoper für Prag zu schreiben. Dass sich die Verantwortlichen für ein bereits vielfach vertontes Libretto von Altmeister Pietro Metastasio über den als idealen Herrscher gerühmten römischen Kaiser Titus entschieden, wirft ein Licht auf die spannungsgeladene politische Situation: Anlässlich der Krönung Kaiser Leopolds II. zum König von Böhmen sollte die Festoper den neuen Herrscher feiern, ihm aber auch seine verantwortungsvolle Position bewusst machen. Mozart und sein Librettist Mazzolà dynamisierten den szenischen Ablauf der Vorlage, reduzierten die Anzahl der Arien und fügten zahlreiche, für die Opera seria eher untypische Ensembles ein. So schärften sie das Bewusstsein für die Zwiespältigkeit der titelgebenden »Gnade« des Titus: Ist ein gnädiger, seinen Feinden verzeihender König wirklich der bessere Herrscher oder verbirgt sich hinter der »lieblich anmutenden Gnade nichts anderes als die kleine hübsche Schwester der hässlichen Willkür«, wie Rainer Erlinger anlässlich der Begnadigung des früheren RAF-Terroristen Christian Klar schrieb?

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