Faust. Der Tragödie zweiter Teil
Kurz vor seinem Tod war das Werk, das Goethe 60 Jahre seines Lebens auf unterschiedlichste Weise beschäftigt hatte, abgeschlossen: Faust. Der Tragödie zweiter Teil. Dem zeitgenössischen Publikum traute er allerdings eine fundierte Wahrnehmung dieses komplexen dichterischen Kosmos nicht zu, denn das, was Goethe darin über die Welt notiert, reichte weit in die Zukunft und mündet direkt in unsere Gegenwart:
Nachdem Faust aus seinem Heilschlaf erwacht ist, beginnt die Suche nach dem Unbedingten in einer bedingten Welt erneut. Durch Vergangenheit und Zukunft jagt der Protagonist, getrieben von Mephisto, erfindet mithilfe seines Antipoden das Papiergeld, durchstreift mittels künstlicher Intelligenz die Antike und gewinnt Kriege und Land.
Während Faust zum Verbrecher an Mensch und Natur wird, befeuert Mephisto dessen Eroberungsmentalität und wartet zugleich auf die Einlösung der Wette. Dieser Augenblick scheint endlich gekommen, als der erblindete Faust in einer wahnwitzigen Vision die künftige Gesellschaft heraufbeschwört.
Goethes »Faust II« ist eine Herausforderung für das Theater. Dieser stellt sich der ukrainische Regisseur Stas Zhyrkov, der die Ikone der Weimarer Klassik in einer Neuinszenierung, die auf aktuelle Bezugspunkte setzt, wieder auf die Bühne des DNT bringt.
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