Kurt Weill Fest 2026 - In Bewegung

Das Kurt Weill Fest begeht vom 27. Februar bis 15. März unter dem Motto „In Bewegung“ seine 34. Spielzeit. Insgesamt umfasst das Programm 74 Veranstaltungen mit über 600 Künstler/- innen an 21 bekannten und neuen Spielstätten. Das Motto ist inspiriert von Kurt Weills eigenem Lebensweg, der nicht nur gezwungenermaßen geografisch, sondern auch hinsichtlich seines Wirkens stets in Bewegung war. Dass diese sowohl wörtlichen als auch übertragenen Aspekte der Bewegung sich in unseren Leben überall wiederfinden, wird als Gegenstand dieses Festes in den Fokus gerückt. Schauspieler/-innen, Musiker/-innen, Tänzer/-innen, Autor/-innen, Orchester und Ensembles unterschiedlichster Couleur betreten auch dieses Jahr die Bühnen des Kurt Weill Festes. Darunter finden sich unter anderen der Schauspieler und Sprecher Ben Becker (Foto oben), der „King of Klezmer“ Giora Feidman, junge aufstrebende KünstlerInnen wie Percussion-Genie Hannes Vonmetz (Foto unten) und die rasanten Tänzer/-innen der „Flying Steps“. Neben Konzerten werden auch Tanz, Lesungen, Führungen, Ausstellungen, Workshops zum Mitmachen, das traditionelle Familienkonzert, Projekte für Kinder, Partys und vieles mehr zu erleben sein.

Den passenden Rahmen für dieses vielfältige und liebevoll kuratierte Programm bieten wie jedes Jahr die besonderen Spielstätten, die längst zum Markenzeichen des Festes geworden sind. Darunter bekannte Orte, wie das Instandhaltungswerk der „DB FZI Dessau“ und seit 2025 die Tischlerei Reinicke, aber auch erstmalig ein Großbagger in der „Stadt aus Eisen“ Ferropolis, der Golf-Park Dessau, das Simonetti-Haus Coswig mit seinem besonderen Stuck und das historische Logenhaus Dessau. Die Wahl des Artist-in-Residence ist in diesem Jahr etwas Besonderes, denn es steht nicht ein Einzelkünstler im Fokus, sondern gleich eine ganze Gruppe: Die mit dem Sächsischen Tanzpreis ausgezeichnete Sebastian Weber Dance Company (Foto) zeigt eine raue, bildstarke, groovende Bewegungssprache, die den Stepptanz als zeitgenössische Ausdrucksform neu erfindet. Das Ensemble ist mit TänzerInnen aus acht europäischen Ländern besetzt. Choreograf Sebastian Weber gilt international als Wegbereiter eines zeitgenössischen Stepptanz. Das aktuelle Standardwerk der Stepptanzgeschichte „What the Eye Hears“ des New Yorker Tanzkritikers Brian Seibert beschreibt seine Arbeit als „Europeanstyle Tanztheater with incisive grooves“.

Die innovative und kreative Tanz-Company, die bereits beim Eröffnungskonzert 2025 mit dem Programm „100 Leidenschaften“ mit ihrer sprühenden Energie begeisterte, hat gleich mehrere Produktionen im Gepäck. So unter anderem „Glitz“, eine spektakuläre Show mit fantastischen Kostümen und eigener Band, sowie die Premiere von „Ella“, eine Tanzperformance über das bewegte Leben der Großmutter Sebastian Webers, die hundert Jahre alt wurde und einiges zu sagen hatte, das bis heute gültig und bedeutend ist. Ganz im Sinne dieser immer geltenden Grundsätze steht auch das Programm „For a better world“ aus der Feder von Giora Feidman (Foto) und Majid Montazer. Der König des Klezmer, Klarinettist Giora Feidman, erschafft einmal mehr ein einzigartiges Klangerlebnis. Doch es ist nicht „nur“ ein außergewöhnliches Konzert, sondern vor allem ein leidenschaftliches Plädoyer für Frieden, Menschlichkeit und die Hoffnung auf eine bessere Welt. Bereits mit „Friendship“ und „Revolution of Love“ setzten die beiden kongenialen Musiker Meilensteine der Kunst, und auch jetzt wieder gelingt es ihnen meisterlich, die hellen, aber auch die schattigen Aspekte menschlicher Entwicklung und der aktuellen Weltlage aufzuzeigen und musikalisch fühlbar zu machen. Majid Montazer versteht es, gesellschaftliche Themen in Musik umzuwandeln, die im Gedächtnis bleibt, und mit Giora Feidman als Interpreten bekommen diese Werke einen persönlichen und tiefgreifenden Ausdruck.



Wer hingegen die feurigen Rhythmen Lateinamerikas, energiegeladene Perkussion und fünf außergewöhnliche junge MusikerInnen erleben möchte, ist bei „The Latin America Project“ genau richtig. Was klingt wie ein Abenteuer, ist eigentlich das Debütprojekt des gebürtigen Südtirolers Hannes Vonmetz. Im Mittelpunkt stehen nicht zuletzt die Werke einiger aufstrebender junger KomponistInnen, die selbst tief verwurzelt im lateinamerikanischen Erbe sind und Hannes Vonmetz und seinem „Latin America Project“ Stücke gewidmet haben. Ein Konzert wie ein musikalischer Aufbruch in eine faszinierende Kultur. Für eine außergewöhnliche Kombination aus Breakdance, Musik und einer ebenso ungewöhnlichen wie aufrüttelnden Show sorgen hingegen die „Flying Steps“ mit „Flying Movement“. Explosive Moves, atem- Kurt Weill Fest Kurt Weill Fest beraubende Koordination und einmalige Konzepte sind das Grundrezept für jedes Programm dieser Tanzgruppierung. Mit ihrem Programm zeigen sie, orientiert am Motto des Kurt Weill Festes, das Beste aus der Welt der „Flying Steps“ (Foto) und ihren außergewöhnlichen Shows. Die Freude an Tanz und Bewegung steht hierbei im Mittelpunkt und soll das Publikum mitreißen und begeistern. Mit Kreativität, Technik, Gemeinschaft und Innovation bringen sie die einzigartige Kultur der Tanzgruppierung auf die Bühne. Nicht ohne Grund wurden sie mit ihren unkonventionellen Shows unter anderem bereits mit dem Echo Klassik ausgezeichnet.

Passend zum Motto wird mit „Im Exil“ ein weiterer großer Künstler die Bühne betreten: Wenn Ben Becker eine Lesung abhält, geht das weit über das bloße Vorlesen hinaus. Die Wahl des im Zentrum stehenden Autoren Joseph Roth für dieses Programm ist keineswegs zufällig. Roth lebte in einer Zeit des Umbruchs, war geprägt von Heimatverlust, politischem Wandel und persönlicher Suche nach Sinn und Ankommen. Der zweite Teil beleuchtet die Lebensgeschichte aus der Sicht des Freundes, des Außenstehenden, gestützt auf Géza von Cziffras Erinnerungsbuch „Der Heilige Trinker“, das ihre Zeit in Berlin, ihre Freundschaft und den Weg ins Exil beschreibt. Für den berührenden Sound dieser Literatur- Performance wandte sich Ben Becker diesmal an Wolfgang Ambros, der exklusiv für dieses Programm einige Stücke neu arrangierte und als Theaterversion aufnahm.



Über das Kurt Weill Fest

Seit über drei Jahrzehnten, an 17 Tagen, mit knapp 50 Veranstaltungen, bis zu 20 Spielstätten, unter Beteiligung von fast 600 KünstlerInnen, in Sachsen-Anhalt und rund um Dessau-Roßlau. Das ist das Kurt Weill Fest! Es handelt sich um ein internationales, genreübergreifendes Kulturfestival zu Ehren des Komponisten Kurt Weill (*1900 in Dessau †1950 in New York). Dabei begreift der Veranstalter Kurt Weill nicht nur als einen Komponisten, der mehrfach Musikgeschichte geschrieben hat, sondern zugleich auch als einen Zeitzeugen. Als jüdischer Komponist erfuhr er Unterdrückung, Flucht und Vertreibung. Gleichzeitig ist er ein Musterbeispiel für Integration.
Jährlich zieht das Kurt Weill Fest nicht bloß 20.000 MusikliebhaberInnen an, sondern entführt sie in eine einzigartige Epoche des 20. Jahrhunderts und spüren der Faszination nach, die dieses Jahrzehnt bis heute auf die Menschen ausübt. Die Lust am Experiment, die Suche nach Neuem und das Aufspüren der literarischen und musikalischen Entwicklungen im Zeitenumbruch stehen im Fokus. Höchste Qualität, Professionalität, Emotion, Spaß und Begeisterung finden ein stetig wachsendes und begeistertes Publikum in allen Generationen. Das Kurt Weill Fest zählt zu den innovativsten Festspieltagen in Sachsen-Anhalt und ergänzt mit seiner Art das reiche Kulturangebot des Bundeslandes um eine weitere wichtige Facette.