Das 15. Wittenberger Renaissance Musikfestival

Der Kurfürst sei „ein fettes Murmeltier“ spottete ein Papstgesandter im 16. Jahrhundert über Friedrich den III. Andere schauten nicht auf seine Leibesfülle, sondern schätzten seine wahren Qualitäten und nannten ihn Friedrich den Weisen. So widmet sich auch das 15. Wittenberger Renaissance Musikfestival vom 23. Oktober bis 1. November unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff dem kunst- und musikinteressierten Kurfürsten von Sachsen.

Unter dem Motto „Aus den Schatzkammern eines Murmeltiers" werden spannende Konzerte, ein musikalischer Stadtspaziergang, kreative Workshops und eine Instrumentenausstellung in dem historischen Ambiente der Lutherstadt Wittenberg stattfinden. Der legendäre Tanzball muss durch die Corona-Pandemie leider entfallen. Ansonsten wird das Festival wie geplant mit renommierten Musikern der Alte-Musik-Szene wie Emma Kirkby & Jakob Lindberg, Ensemble 1684, Rolf Lislevand & Friends sowie der gastgebenden Wittenberger Hofkapelle veranstaltet. Die musikalischen Schatzkammern von Friedrich des Weisen sind während der Festivaltage prall gefüllt und warten an historischen Orten wie der Schlosskirche, dem Saal des Alten Rathauses, dem Malsaal im Cranachhof und dem Lutherhaus auf ein konzertfreudiges Publikum. Anmeldungen für die beliebten Workshops sind ab sofort möglich, ebenso Reservierungen für alle Konzerte über die Website. Der Vorverkauf startet in diesem Jahr Corona-bedingt erst am 21. September.



Zum Eröffnungskonzert am 23. Oktober in der Schlosskirche reist das Wittenberger Renaissance Musikfestival von Wittenberg nach Venedig! Die Musikerinnen und Musiker des Ensemble 1684 laden zu einer Reise nach Italien ein und zeigen, wie sehr die protestantische Kirchenmusik von Heinrich Schütz bis zu Adam Rener, der die Hofkapelle Friedrich des Weisen leitete, von italienischen Komponisten beeinflusst wurde.

Bereits zum zweiten Mal laden am 24. Oktober das Praetorius Consort Wittenberg und seine Gäste zum musikalischen Streifzug an die Originalschauplätze der Reformation ein. Nach einer kurzen Eröffnungsmusik in der Schlosskirche beginnt der musikalische Stadtspaziergang in kleineren Gruppen, die von erfahrenen Stadtführern begleitet werden. Für die begehrte zweieinhalb bis dreistündige Stadtführung empfiehlt es sich, bereits über die Website Plätze zu reservieren. Mehr als 100 CD-Einspielungen umfasst die Karriere der legendären Sopranistin Emma Kirkby, die bereits im letzten Jahr beim Wittenberger Renaissance Musikfestival zu Gast war. Gemeinsam mit dem Lautenisten Jakob Lindberg huldigt sie am 25. Oktober im Konzert „Tant que vivray“ den ersten
großen Lautenvirtuosen der europäischen Renaissance von Pierre Attaignant bis Philip van Wilder und gibt eingängige Lautenlieder von Claudin de Sermisy bis Alonso de Mudarra zu Gehör. Auch am Abend des 26. Oktober dreht sich alles rund um „Lautenmusik der Renaissance“. Rolf Lislevand ist ebenfalls ein Publikumsliebling des Wittenberger Renaissance Musikfestivals und wird gemeinsam mit Thor-Harald Johnsen ein Kaleidoskop der Lautenliteratur aus dem 16. und 17. Jahrhundert präsentieren. Der instrumentale Farbenreichtum, den das Musikerduo alten Zupfinstrumenten zu entlocken weiß, wird wieder für ein mitreißendes Konzerterlebnis sorgen.



Die beiden Festivaltage 27. und 28. Oktober versprechen geistige und musikalische Nahrung in intimer Atmosphäre des Lutherhauses. Beide Lesungen, die musikalisch von Thomas Höhne bzw. dem Susato Consort begleitet werden, drehen sich mit „Melanchtons Träume“ (Dr. Stefan Rhein) und „Luthers musikalische Welt“ (Dr. Johannes Block) um die beiden Geistesgrößen der Wittenberger Reformation. Das in der Alten Musik Szene bekannte Schwesternpaar Johanna und Elisabeth Seitz wird nicht nur zu den Workshops als Tutor agieren, sondern am 29. Oktober ebenfalls als Ensemble 33zwo im Malsaal im Cranachhof zu Gast sein. In der einzigartigen Besetzung von Psalter und Harfe widmen sie sich Stücken, die im frühen Notendruck überliefert wurden und den wechselseitigen Austausch von Musik und Musikern über europäische Grenzen hinweg widerspiegeln.

Namensgebend für das Konzertprogramm sind von Loys Bourgeois, Nicolas Vallet und anderen adaptierte Psalmvertonungen, in denen die lieblichen Klänge von Psalter und Harfe besungen werden: „Sur la douce harpe“ (Auf der süßen Harfe). Und dann gibt es natürlich traditionell „Die Nacht davor“ am 30. Oktober. Am Abend vor dem Jahrestag des Thesenanschlags sollte es ursprünglich zum Ballgeflüster zwischen Barbara Cranach und Katharina von Bora kommen. Corona-bedingt wurde die szenische Begegnung in ein Konzert umgewandelt, „Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist“, Liebeslieder der Renaissance mit der
Wittenberger Hofkapelle. Die Festivalwoche endet am 1. November 17 Uhr mit jugendlicher Frische. Das Nachwuchsensemble „Praetorius Consort“ der gastgebenden Wittenberger Hofkapelle hat sich mit dem Renaissance Ensemble Süßato der Kreismusikschule Teltow-Fläming zusammengetan und präsentiert das Abschlusskonzert „Jugend überrascht!“ – Alte Musik, frisch aus dem Hut gezaubert.

Der Kartenkauf ist ab jetzt möglich. Weitere Informationen zum Wittenberger Renaissance Musikfestival findet man unter www.wittenberger-renaissancemusik.de